Mentale Gesundheit und grünes Webdesign

Wie schön wäre das: Benachrichtigungen blitzen nur auf, wenn du es auch gerade willst. Du wirst nicht die ganze Zeit bombardiert, sondern nur dann, wenn es in deinen Tagesplan passt. Du hast nicht das Gefühlt ständig etwas zu verpassen. Du bist nicht überwältigt von der Vielzahl an digitalen Formaten, an denen du teilnehmen könntest, es aber zeitlich und mental gar nicht schaffst. Du genießt es, dir Informationen zu holen, statt sie gepusht zu bekommen. Und das alles auch für deine Nutzer.



Unsere mentale Gesundheit ist wichtiger denn je

Dieses Jahr war etwas ganz Besonderes.

Alle reden davon, dass es das Jahr der Ruhe, das Jahr der Einkehr wird. Wo man sich besinnen kann. Auf’s Wesentliche.

Wie lief das bei dir?

Es gibt so unfassbar tolle digitale Webinare, Meetups, Konferenzen, Newsletter, Social Media Profile, Beiträge, Posts, und noch so viel mehr, an dem wir dank der Digitalisierung in diesem Jahr teilnehmen können. Wir haben mehr Zugriff auf großartige Formate als jemals zuvor. Aus der ganzen Welt. Alles ist digital. Alles. Vielleicht zu viel?

Überall blitzen die Pushbenachrichtigungen auf, werden neue Webinare angepriesen, geht das nächste digitale Interview live. Und sie sind auch noch alle spannend. Aber wie soll man an all dem teilnehmen? Letztens habe ich einen Newsletter abonniert, der dann auf einmal jeden Tag eine E-Mail gesendet hat. Jeden. Tag.

Man muss abschalten.

Man muss ausschalten.

JOMO – Joy of missing out.

Wie sehr erlaubst du dir, auch mal Sachen zu verpassen? Wie stark bindest du das in deine eigenen digitalen Produkte mit ein?

Wie sehr geben wir als Designer:innen, Unternehmen und Agenturen unseren Nutzern diese Ruhe. Bauen wir wirklich Produkte die Pausen ermöglichen? Ist unser Marketing liebevoll und auf den Kalender unserer Nutzer ausgerichtet?


Warum mentale Gesundheit und grünes Webdesign zusammengehören

Beim grünen Webdesign geht es darum, Datenmengen zu sparen (wie das geht, kannst du in meinem Blogpost Was ist grünes Webdesign lesen).


Was also ist klimafreundlich im Zusammenhang mit mentaler Gesundheit?

  • Das Nichtbenutzen von Dark Patterns wie “Nein, ich will kein unwiderstehliches Angebot” oder “30 Kunden haben das gerade gebucht”.
  • Das Weglassen künstlicher Verknappung deiner Produkte wie “Nur heute”, “Deine einmalige Chance” oder “Das kriegst du nie wieder”.
  • Das Ermöglichen von Benachrichtigungspausen wie tägliche “Nicht stören”-Zeiten.
  • Die voreingestellte Deaktivierung der Benachrichtigungen statt der Pflicht des Nutzers sich erst durch alle Settings zu quälen, um mal Ruhe zu haben.
  • Das Einstellen von Benachrichtigungs-Uhrzeiten. Das macht z.B. 7mind in ihrer Meditations-App und fragt, ob und wann man an die tägliche Meditation erinnert werden möchte. 7mind fragt auch ob und wie häufig man am Tag kleine Reminder gesendet bekommen möchte.
  • Die Auswahl von Newsletter-Intervallen, wenn man oft und viel senden möchte.
  • Die Integration von Newsletter-Themen, wenn man viele verschiedene Topics abdeckt.


Und warum ist das jetzt nachhaltiger?

Weil es dann eben keine Daten sendet. Keine Nachricht und kein Webinar heißt keine Kilobytes. Und Ruhe für den Kopf des Nutzers.

Und wir brauchen auch mal Ruhe.


Was kannst du jetzt direkt ändern?

#1 Geh dein Telefon und deinen PC durch

Deaktiviere automatische Synchronisationen deiner Apps wo möglich, stell auch die E-Mail-Synchronisation auf manuell. Stelle Zeiten ein, in denen du nicht gestört/erreicht werden möchtest. Einige Apps bieten sehr spezifische Benachrichtigungs-Settings an. Geh die alle mal durch und entscheide selbst, an was du wann erinnert werden möchtest.


#2 Melde dich von Newslettern ab oder pausiere sie

In welche Newsletter hast du ewig nicht mehr reingeschaut und sie nur noch gelöscht? Welche Newsletter warten schon seit Wochen darauf, dass du sie durchliest? Lösch sie. Und melde dich davon ab. Einige Newsletter-Services bieten sogar das pausieren an. Vielleicht ist das eine Zwischenlösung.


#3 Mach genau das alles für deine Nutzer

Entferne Dark Patterns aus deinen Produkten. Versuch deine Nutzer nicht mit künstlicher Verkappung dazu zu führen, dein Webinar anzuschauen, wenn sie sich damit nur getrieben fühlen, mental nicht dafür bereit sind oder wegen Unkonzentriertheit gar nicht den vollen Impact daraus ziehen können.

Bau Features in deine Services und Produkte ein, die es ermöglichen Benachrichtigungen einzustellen, sie aber initial deaktiviert sind. Erlaube deinen Nutzern Pausen und eigene Kontrolle.

Integriere einen Newsletter-Lifecycle, bei dem Nutzer, die lange nicht mehr deine E-Mails geöffnet haben, in einen zweiten Loop kommen. Dieser zweite Loop schickt dann gezielte E-Mails à la “Willst du, dass wir noch Freunde bleiben” und kickt die Nutzer am Ende raus, wenn sie immernoch nicht öffnen. Das verringert deinen CO2-Abdruck, bringt deine Öffnungsraten weiter nach oben und führt damit zu höherer Sichtbarkeit in intelligenten Postfächern.


Und jetzt?

Frage dich, was du tun kannst, damit unsere Gesellschaft weniger gehetzt, FOMO-getrieben (Feeling of missing out) und Burnout-gefährdet ist. Denn wir können den Unterschied machen. Wir haben es in der Hand.

Falls dir der Beitrag gefallen hat, dann teile ihn doch gerne mit Kolleg:innen, Mitarbeiter:innen und Freund:innen. Das würde mir wahnsinnig helfen, das Thema bekannter zu machen und inspiriert hoffentlich mehr Designer:innen grünere Webseiten zu gestalten.

Genieße den hoffentlich ruhigen Tag!

Deine Sandy

Hi, ich bin Sandy, die Autorin dieses Blogs und Green UX/UI Designerin mit der Vision eines grünen Webs. Komm mit auf diese Reise!

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